Das Kartenabenteuer “Von Birzebbuga nach Marsaxlokk”

Nicht nur der Verkehr sorgt in Malta für Überraschungen, sondern auch die Künste die dazugehörigen Karten zu erstellen. So möchte der geneigte Tourist zum Beispiel von Birzebbuga (sprich: Birsebudscha) im Südosten der Hautpinsel nach Marsaxlokk (sprich: “Marsaschlock”) fahren.

Maltesische Fischerboote im Hafen von Marsaxlokk

Der Hafen von Marsaxlokk ist weltberühmt für seine auf phönizischen Wurzeln basierenden Fischerschiffe, die längs bunt bemalt nach vorne hinaus mit Augen versehen sind. Letztere stellen ein Symbol dafür dar, daß die Seefahrer ob der mannigfaltigen Gefahren der See aufpassen sollen. Ausgehend von der Pretty Bay im Süden von Birzebbuga möchte man sodann in der St. George’s Bay nach Osten fahren, um auf die Straße nach Marsaxlokk zu kommen. Allein dies Unterfangen gestaltet sich schon überraschungsreich: Zwar ist die Straße im Norden in der Stadt oberhalb der St. George’s Bay (Straße Nr. 138) in allen Karten eingezeichnet. Allerdings entpuppt sich diese im inneren Teil der St. George’s Bay als nicht für den öffentlichen Verkehr freigegebene Straße im Industriehafen. Die einzige Möglichkeit, die bleibt ist, nach Norden aus der Stadt in Richtung Ghar Dalam zu fahren (Straße Nr. 29). Mit den üblichen maltesischen Karten hat man nunmehr ein Problem: Die Abfahrt hat man verpaßt und offenbar gab es keine Möglichkeit nach Osten abzufahren. Zwei mitgenommene Karten (eine im Reiseführer und eine offizielle Straßenkarte “Airport Value”) sind nunmehr im Maßstab 1:40.000 zu grob, denn in den Stadtbereichen verfügt sie nicht über Straßennamen. Glücklicherweise hatten wir noch einen dritten Satz Karten dabei. Es handelt sich dabei um das “Gelbe Seiten”-ähnliche Buch “The Malta Business Directory”, das neben interessanten Adressen und Einkaufsmöglichkeiten auch über eine ganze Reihe von Innenstadtkarten verfügt. Diese sind zumeist so detailiert aufgebaut, daß man Straßennamen und deren Verbindungen erkennen kann. Letztere hilft einem dann weiter, um von Norden her einfahrend doch noch auf die Straße nach Marsaxlokk zu kommen.

Dort angekommen erlebt man gleich die nächsten Überraschungen. Suggerieren doch alle Karten gleich, daß man direkt von Süden her kommend in die Straße vom Fischereihafen/Fischmarkt einfahren könnte, so wird man von einem inzwischen doch in die Jahre gekommenen Schild begrüßt, daß die Einfahrt von Süden in die “Xatt Il-Sajjieda” verboten wäre (nur der Vollständigkeit halber sei gesagt, daß sich die Malteser bei dieser Straße wirklich mal an die Einspurigkeit der Straße halten). Weder das Malta Business Directory noch alle anderen Karten zeigt die Tatsache, daß es sich hierbei um eine Einbahnstraße handelt, an. Selbst Google Maps schweigt sich über die Fahrtrichtung nachhaltig aus. Die örtliche Straßenführung leitet den Verkehr nunmehr durch die “Triq Il-Kavallerizza” und die “L’Arznell” parallel zum Hafen in Richtung Norden aus. Auf der “Triq Is-Zejtun” angekommen ist auch das Abfahren nach rechts in Richtung Straße im Hafen (temporär) nicht möglich. Eine Umleitung ist natürlich nicht ausgeschildert.

Ausfahrt in den Hafen von der G. Maniscalco aus in Marsaxlokk

Nach einigen Versuchen kommt man dann immerhin über die “Triq Melqart” in den Ort richtig hinein. Um eine Beschilderung braucht man sich aber gar nicht mehr zu bemühen – sie existiert einfach nicht. Der Versuch dann die Straße “G. Maniscalco” zu finden toppt die maltesische Straßensuche: Alle drei Karten zeigen eine andere Lage und eine andere Position der Straße an (Google Maps ist hier vorbildlich und zeigt die Lage der Straße korrekt!). In der Realität hat sie kein Straßenschild (und scheint auch noch nie eines besessen zu haben) und mündet in der rechts dargestellten “Ausfahrt in den Hafen”. Man beachte, daß die Breite dieses Straßenteils gerade noch so ausreicht, um einem Ford Focus mit seinen Spiegeln sowie jeweils 5-10 Zentimeter links und rechts Platz zu lassen, was aber die lokalen Behörden offensichtlich nicht dazu anhält, diese Straße zur Einbahnstraße (zumindest in diesem Bereich) zu erklären. Vielmehr wird sie ohne Vorrangbeschilderung bei normalem Straßentempo befahren. Touristen entpuppen sich hierbei wieder einmal mehr als Straßenhindernis.

Dort angekommen wird man mit einer erneuten Unklarheit maltesischer Fahrkunst konfrontiert. Parallel zur “Triq Il-Wilga” (eben besagte Hafenstraße) verläuft direkt an den Anlegenstellen nochmals eine befestigte Straße ohne Namen. Auf der dadurch entstehenden kleinen Insel zwischen den beiden Straßen steht ein “Einfahrt verboten”-Schild. Es ist absolut nicht erkennbar für welche der beiden Straßen nunmehr dieses Schild zu gelten hat. Beobachtungen des Verkehres vom anliegenden Parkplatz aus haben aber ergeben, daß diesem Schild von maltesischen Autofahrern geflissentlich keine Beachtung geschenkt wird und beide Straßen von Nordosten her befahren werden.

Verkehrsinsel mit Verbotsschild in Marsaxlokk zwischen Triq Il-Wilga und einer Hafenstraße; das blaue Fahrzeug rechts wird als nächstes links abfahren

PS: Die beschriebenen Schwierigkeiten mit der Genauigkeit der maltesischen Karten ist in diesem Fall sehr ausgeprägt, gilt aber durchaus als beispielhaft für die ganze Insel.

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One Comment

  1. Also das scheint ja echt heftig zu sein … irgendwie erinnert mich das ganz leicht an das Erlebnis in Utah – mitten in der Wüste bei Nacht meinte das Navi: in 300m links abbiegen – die Abzweigung kam denn auch – nur die Kreuzung war sehr spärlich beschildert und halt mitten im Nirgendwo …

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