{"id":489,"date":"2011-10-20T23:47:17","date_gmt":"2011-10-20T22:47:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/?p=489"},"modified":"2011-10-21T11:20:14","modified_gmt":"2011-10-21T09:20:14","slug":"hebelwirkung-am-efsf-wohl-ist-des-hebels-macht-wenn-er-denn-richtig-angebracht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/?p=489","title":{"rendered":"Hebelwirkung am EFSF &#8211; &#8220;Wohl ist des Hebels Macht, wenn er denn richtig angebracht&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Politische Diskussionen sind \u00fcblicherweise keine Begr\u00fcndung f\u00fcr mich einen Blog-Eintrag zu verfassen. In der aktuellen Streitfrage \u00fcber die Verwendung einer &#8220;Hebelwirkung&#8221; f\u00fcr den zuk\u00fcnftigen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Europ%C3%A4ischer_Stabilit%C3%A4tsmechanismus\" target=\"_blank\">&#8220;Eurorettungsschirm&#8221; (EFSF)<\/a> erscheint mir allerdings &#8220;Not an der Tastatur&#8221; zu sein, denn es wird viel \u00fcber die m\u00f6glichen Handlungen berichtet, allerdings die Konsequenzen aus dem Handeln nicht transparent gemacht. <!--more--><br \/>\nKurz allerdings hierzu eine Einordnung der aktuellen Situation und zu den Hintergr\u00fcnden: Der &#8220;Europ\u00e4ische Stabilit\u00e4tsmechanismus&#8221; dient als Auffangschirm f\u00fcr Staaten, die sich am Kapitalmarkt aufgrund einer zu schlechten Bonit\u00e4t (dieses Wort ist unabh\u00e4ngig vom sogenannten &#8220;Rating&#8221;, das Ratingagenturen verleihen, zu verstehen) keine mehr (oder nur unzureichende) Mittel beschaffen k\u00f6nnen. In diesem Fall soll der EFSF eigenst\u00e4ndig Kredite vergeben. Da die aktuelle finanzwirtschaftliche Lage auch darauf hindeutet, da\u00df von dieser Knappheit auch mittelbar (evtl. &#8220;systemrelevante&#8221;) Banken betroffen sein k\u00f6nnten, wird dar\u00fcber diskutiert, den Fond mit der M\u00f6glichkeit auszustatten, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/-gqu-6uady\" target=\"_blank\">auch Banken mit Geldern auszuhelfen<\/a>. Die Mittel f\u00fcr den EFSF besteht zum einen aus direkten Geldern (aktuell ca. 60 Millarden Euro aus dem EU-Haushalt), B\u00fcrgschaften der Mitgliedstaaten (aktuell ca. 440 Millarden Euro) und weiteren Krediten (aktuell ca. 250 Millarden Euro), die insbesondere vom <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Internationaler_W%C3%A4hrungsfonds\" target=\"_blank\">Internationalen W\u00e4hrungsfond<\/a> (IWF) zur Verf\u00fcgung gestellt werden k\u00f6nnen (f\u00fcr Belege \u00fcber die genannten Zahlen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Europ%C3%A4ischer_Stabilit%C3%A4tsmechanismus\" target=\"_blank\">sei auf die Wikiseite des EFSF, Abschnitt &#8220;Vorl\u00e4ufiger Stabilisierungsmechanismus&#8221; verwiesen<\/a>). Da erkenntlich ist, da\u00df die Mitgliedsstaaten keine weiteren Gelder f\u00fcr den Fond zur Verf\u00fcgung stellen wollen, wird nunmehr aktuell <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/ondemand100_id-video998040.html\" target=\"_blank\">\u00fcber die effiziente Nutzung der vorhandenen Gelder diskutiert<\/a>. <\/p>\n<p>Neben dem von Deutschland favorisierten Modell, eine Absicherung der erteilten Kredite nur bis zu einem bestimmten Prozentsatz zu gew\u00e4hrleisten (&#8220;Versicherungsl\u00f6sung&#8221;, siehe <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/sendungsbeitrag136728_res-.html\" target=\"_blank\">auch dieses Video, Zeitindex 5:00<\/a>), gibt es die insbesondere von den franz\u00f6sischen Nachbarn bevorzugte Modell einer &#8220;Bankenl\u00f6sung&#8221; (also mit Bankenlizenz f\u00fcr den EFSF). Wie letzteres funktioniert hat das <a href=\"http:\/\/www.daf.fm\/video\/kleiner-hebel-grosse-wirkung---so-funktioniert-ein-kredithebel-50148659-DE0008469008.html\" target=\"_blank\">Deutsche Anlegerfernsehen jetzt anhand eines anschaulichen Kredithebels<\/a> deutlich gemacht. Es entspricht im wesentlichen den Konzepts des &#8220;<a href=\"http:\/\/www.kredit-und-finanzen.de\/ratgeber\/leverage-effekt.html\" target=\"_blank\">Leverage Effekts<\/a>&#8220;.<br \/>\nBei dieser Diskussion vermisse ich allerdings die Beachtung einiger wesentlichen Aspekte: [Fortsetzung auf Seite 2]<br \/>\n<!--nextpage--><\/p>\n<ol>\n<li>Bei allen Diskussionen \u00fcber eine &#8220;Hebelwirkung&#8221; wird von den 440 Milliarden Euro an B\u00fcrgschaften der Mitgliedsstaaten ausgegangen, die der EFSF erhalten hat. Da es sich hierbei nicht um Eigenkapital sondern um <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B%C3%BCrgschaft\" target=\"_blank\">B\u00fcrgschaften<\/a> (also Zusagen zur Kreditsicherung im Falle einer Insolvenz) handelt, verf\u00fcgt der EFSF effektiv nach meinem Verst\u00e4ndnis nur \u00fcber ein Eigenkapital i. H. v. 40 Milliarden Euro (siehe oben). Man beachte hierzu, da\u00df B\u00fcrgschaften im Handelsgesetzbuch (<a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/hgb\/__251.html\" target=\"_blank\">\u00a7251 HGB<\/a>) als Haftungsverh\u00e4ltnis interpretiert wird und dementsprechend nicht eigenkapitalbildend wirkt.<\/li>\n<li>Das vom IWF zur Verf\u00fcgung gestellte Kapital ist bereits als Fremdkapital zu betrachten. Unter der Annahme der vollst\u00e4ndigen Ausnutzung des eingesetzten Kapitals ergibt sich hieraus alleine bereits ein Hebel von ungef\u00e4hr 5.<\/li>\n<li>Eine weitere Hebelwirkung kann nur dann erreicht werden, wenn zus\u00e4tzliche Gelder in Form von Fremdkapital dem Fond zur Verf\u00fcgung stehen werden. <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/wo-der-hebel-angesetzt-werden-soll\/5235668.html\" target=\"_blank\">Nach Aussage von Finanzminister Sch\u00e4uble<\/a> sollen diese von privaten Gl\u00e4ubigern kommen. Spricht man von solchen Dimensionen, dann kann in diesem Fall wohl nur wesentlich die Privatwirtschaft, also prim\u00e4r Banken und Versicherungen, gemeint sein. Aktuell laufen allerdings Debatten, die von Seiten der EU forciert werden, <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/eu-banken-brandbrief-an-schaeuble-wegen-eu-plaenen_aid_674445.html\" target=\"_blank\">um die Kernkapitalquote von Banken in der EU zu erh\u00f6hen<\/a>. Dies trifft in der Regel die Margen der Banken deshalb so hart, weil es hier genau zu einem umgekehrten Effekt wie bei der Hebelwirkung geht: Durch den Zwang mehr Eigenkapital besitzen zu m\u00fcssen, k\u00f6nnen Banken weniger Fremdkapital verwenden, um ihre T\u00e4tigkeiten zu realisieren. Anders herum betrachtet bedeutet dies, da\u00df Banken mehr Risiko eingehen m\u00fcssen, um die gleiche Rendite (wie zuvor) zu realisieren. Geht man also davon aus, da\u00df die b\u00f6rsenorientierte Bankenwelt einen gleichbleibenden Gewinn vorweisen m\u00f6chte, so m\u00fcssen die Banken risikoreichere Gesch\u00e4fte abwickeln, die an sich &#8211; ohne Hebelwirkung\/Leverage Effekt &#8211; bereits eine h\u00f6here Rendite aufweisen. Genau diese Gesch\u00e4fte sind es, die dann ein EFSF den Banken nun anbieten wird: Es sind die hochriskanten, nur noch teilweise abgesicherten Anleihen der von der Insolvenz bedrohten Staatsanleihen. Es grenzt an Schizophrenie, da\u00df die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Europ%C3%A4ische_Zentralbank\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ische Zentralbank<\/a> (EZB) noch vor wenigen Wochen gezwungen war, Teile diese Anleihepapiere unter anderem von den europ\u00e4ischen Kredith\u00e4usern vom Markt zu kaufen.<\/li>\n<li>Ber\u00fccksichtigt man noch den Gedanken, da\u00df der EFSF genau daf\u00fcr eingerichtet wurde, um die Auswirkungen einer m\u00f6glichen Insolvenz eines Eurostaates von der Finanz- und Realwirtschaft abzuschirmen, so ist nunmehr festzustellen, da\u00df das Einf\u00fchren eines Leverage Effekts durch Hinzuziehen von Fremdkapital von privaten Gl\u00e4ubigern somit zu &#8220;L\u00f6chern im Rettungsschirm&#8221; f\u00fchrt (N.B.: Dies ist beim Fremdkapital durch den IWF nicht der Fall, da dieser im Wesentlichen von den Mitgliedsstaaten getragen wird). Das liegt daran, da\u00df durch die erneute indirekte Verteilung des Insolvenzrisikos durch den Leverage Effekt \u00fcber den EFSF an die Banken im falle einer Zahlungsunf\u00e4higkeit nat\u00fcrlich auch die Banken und Versicherungen wieder von der &#8220;Pleite&#8221; beteiligt w\u00e4ren.<\/li>\n<\/ol>\n<p>In Summe ist also aus meiner Sicht festzustellen, da\u00df durch die Einf\u00fchrung eines klassischen Kredithebels die Politiker aktuell den gleichen Fehler begehen wollen, den sie der Finanzwirtschaft ankreiden. Auch f\u00fchrt sie zu einer Durchl\u00f6cherung des Schildes, den der Fond gegen\u00fcber der Wirtschaft aufbauen soll. Dabei ist die &#8220;<a href=\"http:\/\/www.tz-online.de\/nachrichten\/politik\/gruene-bundestag-euro-fragen-nicht-aushebeln-1453417.html\" target=\"_blank\">Aushebelung des Parlamentes<\/a>&#8220;, das durch die Umwidmung bzw. Uminterpretierung der bewilligten Gelder zu entstehen droht, noch ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleines \u00dcbel.<\/p>\n<p><i>EDIT:<\/i> Inzwischen wurde noch eine weitere Alternative der Geldbeschaffung f\u00fcr den EFSF mit Bankenlizenz-Modell ver\u00f6ffentlicht. Dabei soll der EFSF sich das Fremdkapital nicht \u00fcber die Finanzmarkt beschaffen, sondern vielmehr direkt an die Europ\u00e4ische Zentralbank herantreten k\u00f6nnen. Dies w\u00fcrde zwar ein &#8220;Durchschlagen bei Kreditausfall&#8221; auf die Privatwirtschaft verhindern (da letztere ja nicht in der Transaktion beteiligt w\u00e4re), daf\u00fcr allerdings <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article13672889\/Oekonomen-laufen-gegen-Frankreichs-Euro-Plan-Sturm.html\" target=\"_blank\">indirekt eine politische Einflussnahme auf die Umlaufmenge des Geldes<\/a>. Somit wird die Unabh\u00e4ngigkeit der Zentralbank nachhaltig eingeschr\u00e4nkt. <\/p>\n<p><i>Der Autor geh\u00f6rt keiner politischen Partei an und t\u00e4tigt diese Aussage nicht mit dem Hintergrund einer politischen Willensbekundung, sondern m\u00f6chte diesen als sachlichen Diskussionsbeitrag verstanden wissen. Sind oben sachlich falsche Aussagen getroffen bittet der Autor um Nachricht.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aktuelle Diskussion um den Nutzung einer Hebelwirkung am EFSF vernachl\u00e4ssigt wesentliche Aspekte wie die Trennung zwischen Eigenkapital und B\u00fcrgschaft, bereits jetzt schon eingesetztes Fremdkapital und die Auswirkungen der Weitergabe von Risiken an die Privatwirtschaft.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[],"class_list":["post-489","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-other"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/489","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=489"}],"version-history":[{"count":13,"href":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/489\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":503,"href":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/489\/revisions\/503"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=489"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=489"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}