{"id":307,"date":"2010-09-30T09:21:37","date_gmt":"2010-09-30T08:21:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/?p=307"},"modified":"2012-08-03T21:06:18","modified_gmt":"2012-08-03T19:06:18","slug":"der-maltesischer-verkehr-durch-die-augen-eines-deutschen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/?p=307","title":{"rendered":"Der maltesische Verkehr durch die Augen eines Deutschen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 185px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/wp-content\/uploads\/Malta-2765a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" src=\"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/wp-content\/uploads\/Malta-2765a-175x300.jpg\" alt=\"\" title=\"Widerspr\u00fcchliches Verkehrsschild in Malta\" width=\"175\" height=\"300\" class=\"size-medium wp-image-332\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">Widerspr\u00fcchliches Verkehrsschild in Malta<\/p><\/div>\n<p>Der maltesische Verkehr ist schon etwas ganz besonderes. Eine inzwischen mehr als 30 Jahre alte Antwort eines britischen Weltenbummlers auf die Frage, wie man denn als deutscher Tourist mit den Verkehrsverh\u00e4ltnissen auf der Mittelmeerinsel am besten zurecht kommen soll, beschreibt es wohl am besten: &#8220;Oh, that might not be a trouble: they drive anywhere!&#8221; (zu deutsch: &#8220;Oh, das ist gar kein Problem: die fahren (einfach) \u00fcberall&#8221;). Dahingegen behauptet ein Reisef\u00fchrer, da\u00df die Malteser weniger nach den allgemeinen Regeln und Gesetzen des Verkehrs sich fortbewegen, sondern vielmehr nur dort fahren &#8220;wo gerade Schatten ist&#8221;. <\/p>\n<p>Die Realtit\u00e4t zwischen Mellieha und Valletta liegt dabei wohl irgendwo dazwischen: <!--more--><br \/>\nWohl l\u00e4\u00dft sich feststellen, da\u00df in l\u00e4ndlicheren Gegenden die Vekehrsregeln nicht immer ganz so genau genommen werden (besonders bei den allgegenw\u00e4rtigen &#8220;Roundabouts&#8221; &#8211; den Kreisverkehren) und oftmals einfach so gefahren wird, <strong>wie es gerade geht, wo Platz ist und damit es nicht &#8220;kracht&#8221;<\/strong>. So entsteht doch noch das Gef\u00fchl, da\u00df innerhalb der St\u00e4dte immerhin grundst\u00e4tzlich nach Verkehrszeichen gefahren wird. Wegen des akuten Platzmagels und der Anlage der Stra\u00dfen, die schlicht dort gebaut sind, wo das stets auf der Insel abfallende Gel\u00e4nde es gerade eben zul\u00e4\u00dft, entwickelt sich an fast allen Kreuzugen ein Gewusel von Verkehr mit R\u00fcckstau, der sich kurz darauf wie auf magische Weise &#8220;irgendwie und ohne tiefere Ordnung&#8221; pl\u00f6tzlich aufl\u00f6st.<br \/>\n<div id=\"attachment_325\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/wp-content\/uploads\/PICT0491asmall.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-325\" src=\"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/wp-content\/uploads\/PICT0491asmall-300x225.jpg\" alt=\"Maltesischer Verkehr\" title=\"Maltesischer Verkehr\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"size-medium wp-image-325\" srcset=\"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/wp-content\/uploads\/PICT0491asmall-300x225.jpg 300w, http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/wp-content\/uploads\/PICT0491asmall.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-325\" class=\"wp-caption-text\">Maltesischer Verkehr in Sliema um ca. 18:00 Uhr<\/p><\/div><\/p>\n<p>Ein ganz besonders wichtiges Kommunikationsinstrument des maltesischen Vekehrs ist &#8220;<strong>the horn<\/strong>&#8221; (die Hupe). Der gemeine Mitteleurop\u00e4er kennt sie wohl vorwiegend zum Zwecke eines &#8220;Warnsignal&#8221; &#8211; in manchen besonderen F\u00e4llen vielleicht auch als &#8220;Gru\u00dfinstrument&#8221;. Viel unbekannter d\u00fcrfte indes die am weitesten verbreitete Verwendung im maltesischen Verkehr sein: So m\u00f6chte der Maltese durch &#8220;kurzes Aufhupen&#8221; (ein kurzes Dr\u00fccken auf die Hupe) kundtun, da\u00df er auch noch vorhanden ist und freundlich einem auffordern, auch noch dieses Fahrzeug im &#8220;maltesischen Gewusel&#8221; zu ber\u00fccksichtigen. Diese Form kann dann gesteigert &#8211; aber immer noch relativ kurz &#8211; durchaus auch im \u00e4ngstlichen Tenor vorgebracht werden und meint dann etwa &#8220;hallo, wei\u00dft Du, da\u00df ich auch noch da bin?&#8221;.<\/p>\n<p>Das Aufhupen kommt nicht zuletzt sehr h\u00e4ufig bei den oben bereits schon kurz erw\u00e4hnten <strong>Roundabouts<\/strong> (Kreisverkehr) zum Einsatz. Allein schon die Einfahrt gestaltet sich ereignisreich. Zwar gilt grunds\u00e4tzlich (auch ohne entsprechende Verkehrszeichen f\u00fcr die Vorfahrtsregelung), da\u00df der von rechts kommende Verkehr im Kreisel (Linksverkehr!) Vorrang hat, allerdings gilt dies nur insoweit, wie die Geduld des einfahrenden Verkehrs noch ausreichend ist. Ist nur <strong>eine einfahrende Fahrspur<\/strong> vorhanden, dessen Fahrzeuge zudem auch noch prim\u00e4r gleich wieder bei der ersten Ausfahrt rausfahren m\u00f6chte, so wird ein einspuriger Kreisel so manches Mal pl\u00f6tzlich doch zwei- oder dreispurig befahren. Die Frage nach dem &#8220;Wie&#8221; ist in dieser Situation nur vor Ort zu beantworten, aber vielleicht am besten mit &#8220;wo gerade noch nichts ist&#8221; zu umschreiben. Dabei sind eventuell noch vorhandene Fahrbahnmarkierungen, die dem allgemein schlechten Wartungszustand der maltesischen Stra\u00dfen noch nicht zum Opfer gefallen sind, eher hinderlich, denn eine Anleitung f\u00fcr korrektes Verhalten. <strong>Die zweispurige Variante<\/strong> des im Uhrzeigersinn gefahrenen s\u00fcdeurop\u00e4ischen Kreisverkehres wird zumeist so genutzt, da\u00df der umliegende Verkehr davon ausgeht, da\u00df die linke der beiden Spuren f\u00fcr Fahrzeuge verwendet wird, die die erste Ausfahrt benutzen m\u00f6chten. Die zweite, also rechte Fahrspur ist f\u00fcr alle weiteren Ausfahrten gedacht. Diese Sonderform wird auch dann angewendet, wenn Wegweiser oder Fahrbahnmarkierungen auf etwas anderes schlie\u00dfen lassen. Bewegt sich ein touristischer Kraftfahrer, der in einem solchen Kreisverkehr die zweite Ausfahrt nehmen m\u00f6chte, vermeindlich f\u00fcr den dahinter fahrenden Malteser zu langsam, so ist es zum \u00fcblichen Brauch geworden, da\u00df dennoch die linke der beiden Spuren verwendet wird, um schnell mal an dem Verkehrshindernis (=Tourist) links vorbeizuhuschen (man beachte: bei Linksverkehr ist das \u00dcberholen auf der linken Seite verboten). Dabei ist das Schneiden des tourististischen Fahrzeugs beim Ausfahren an der zweiten Ausfahrt mehr ordnungspolitische Notwendigkeit und geh\u00f6rt damit also zum guten Ton. Steigt der nerv\u00f6s gewordene Malta-Besucher dann erschrocken auf die Bremse, wird dieser erst richtig zum Verkehrshindernis und provoziert einen Auffahrunfall. Apropos, <strong>geschnitten werden<\/strong>: Dies ist bei \u00dcberholman\u00f6vern, die insbesondere gerne \u00fcber Sperrfl\u00e4chen im Mittelbereich der ohnehin fast \u00fcberall ungetrennten Fahrbahnen durchgef\u00fchrt werden, eher die Regel als eine Seltenheit. Auch hier gilt erneut, da\u00df derjenige verliert, der bremst.<br \/>\n<div id=\"attachment_330\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/wp-content\/uploads\/Malta-2711a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-330\" src=\"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/wp-content\/uploads\/Malta-2711a-300x139.jpg\" alt=\"\" title=\"Maltesische \u00dcberlandbusse\" width=\"300\" height=\"139\" class=\"size-medium wp-image-330\" srcset=\"http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/wp-content\/uploads\/Malta-2711a-300x139.jpg 300w, http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/wp-content\/uploads\/Malta-2711a-1024x476.jpg 1024w, http:\/\/blog.schmoigl-online.de\/wp-content\/uploads\/Malta-2711a.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-330\" class=\"wp-caption-text\">Maltesische \u00dcberlandbusse<\/p><\/div><\/p>\n<p>Einzig die fast auf der gesamten Insel verkehrenden <strong>Layland-Busse<\/strong> scheinen der Mehrzahl der maltesischen Autofahrer zumindest ein Mindestma\u00df an Respekt abzun\u00f6tigen. Dies liegt aber wohl einerseits an der im Vergleich zum einfachen PKW in der Regel gr\u00f6\u00dferen Masse der Busse. Zum anderen ist dies wohl auch auf eine nur durch die Taxifahrer zu toppende &#8220;Stilsicherheit in Verkehrsfragen&#8221; der Busfahrer zur\u00fcckzuf\u00fchren, die sich dar\u00fcber hinaus noch mit einem deutlich \u00fcber dem Durchschnitt liegendem Augenma\u00df kombiniert. Letzteres ist aber nicht weiter verwunderlich, wenn man betrachtet, mit welcher Pr\u00e4zision diese extrem breiten, oftmals mehrere Jahrzehnte alten Gef\u00e4hrte durch die engen Stra\u00dfen der kleineren Ortschaften hindurch buxiert werden. So kann zum Beispiel das Aneinandervorbeifahren von zweier solchen &#8220;Stra\u00dfenkollose&#8221; in der Innenstadt von Mellieha bei normalem t\u00e4glichen Verkehr schon ein Schauspiel sein. An ein Weiterkommen ist f\u00fcr den restlichen motorisierten Verkehr genauso wenig zu denken, wie an die in der Umgebung sich bewegenden Fu\u00dfg\u00e4nger &#8211; denn das Trottoir wird selbstverst\u00e4ndlich mitbenutzt.<br \/>\nAllerdings t\u00e4uscht letzteres auch wieder \u00fcber eine weitere Eigenart des maltischen Verkehrs hinweg: <strong>Fu\u00dfg\u00e4nger<\/strong> sind zwar zun\u00e4chst einmal Freiwild; solange sich diese allerdings &#8220;orts\u00fcblich&#8221; verhalten, das hei\u00dft nachvollziehbar bewegen, werden diese durchaus wie andere Verkehrsteilnehmer behandelt. Fu\u00dfg\u00e4nger auf Gehwegen werden zwar grunds\u00e4tzlich ignoriert &#8211; besonders dann, wenn sie an einem Zebrastreifen sich befinden. Hat der Passant allerdings einmal den Mut zusammengenommen und den Fu\u00df auf die wei\u00dfe Straffierung gesetzt, so h\u00e4lt der Verkehr zumindest zu der Seite hin an, auf dem der Unmotorisierte sich bewegt. Das darauffolgende \u00dcberqueren der Fahrbahn ist dann mit weniger Risiko behaftet, als man es gemeinhin erwarten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der geneigte, mitteleurop\u00e4ische Beobachter dieses Stra\u00dfenschauspiels stellt sich dann nach einigen Tagen des Betrachtens eine f\u00fcr ihn bohrende Frage: Wie kann es sein, da\u00df bei einem solchen Verkehrsaufkommen auf so kleiner Fl\u00e4che und der offensichtlichen, t\u00e4glichen, ja manchmal schon planm\u00e4\u00dfigen Nichtbeachtung der dennoch festgeschriebenen Verkehrsregeln es <strong>doch nicht reihenweise zu Unf\u00e4llen<\/strong> kommt? Die Antwort auf diese tiefgreifende Frage bleibt wohl immer ein Geheimnis des &#8220;maltesischen Fahrstils&#8221;.<\/p>\n<p>PS: Man beachte, da\u00df <a href=\"http:\/\/www.photius.com\/rankings\/road_traffic_deaths_country_rankings_2009.html\">lt. Statistik<\/a> die Unfallrate mit Todesfolge f\u00fcr Malta (Platz 176) geringer ist, als die f\u00fcr Deutschland (Platz 166). Es stellt sich nunmehr also die Frage, ob in Deutschland doch nicht besser nach maltesischem Vorbild gefahren werden sollte&#8230; (oder vielleicht doch besser nicht?)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der maltesische Verkehr ist schon etwas ganz besonderes. Eine inzwischen 30 Jahre alte Antwort eines britischen Weltenbummlers auf die Frage, wie man denn als deutscher Tourist mit den Verkehrsverh\u00e4ltnissen am besten zurecht kommen soll, beschreibt es wohl am besten: &#8220;Oh, that might not be a trouble: they drive anywhere!&#8221; Dahingegen behauptet ein Reisef\u00fchrer, da\u00df die Malteser weniger nach den allgemeinen Regeln und Gesetzen des Verkehrs sich fortbewegen, sondern vielmehr nur dort fahren &#8220;wo gerade Schatten ist&#8221;. 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